„Solche Geschichten schreibt nur der Fussball.“ – Eugen Polanski im Interview

 

Zwischen 1995 und 2008 spielte Eugen Polanski bei der Fohlenelf (Jugend und Profis). In dieser Zeit kam der defensive Mittelfeldspieler auf 54 Profi-Einsätze. Danach ging es für Polanski nach Getafe und Mainz. Seit 2013 steht er bei TSG 1899 Hoffenheim unter Vertrag. In den letzten Tagen zeigte der 32-jährige erneut seine Verbundenheit gegenüber der Borussia. Vor dem aufeinandertreffen mit Hoffenheim am Samstag haben wir uns mit Eugen unterhalten.
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Eugen Polanski trägt seit über 5 Jahren das Hoffenheimer Logo auf der Brust. Bild: Screenshot Youtube
Du kommst hier aus der Region, doch seit 2008 spielst du nicht mehr bei der Borussia. Wie häufig bist du denn noch zu Besuch am Niederrhein?
Ab und zu mal. Wir haben am Bökelberg ein Haus gebaut, aber sind dort noch nie eingezogen. Es hat sich bisher nicht ergeben, weil ich nicht mehr in der Nähe gespielt habe. In diesem Sommer ziehen meine Frau und meine Kinder nach Mönchengladbach, vor allem auch schulisch bedingt. Da mein Vertrag in Hoffenheim ausläuft ist es der beste Zeitpunkt um umzuziehen. Es wird Zeit wieder in die Heimat zu kommen.Da hast du schon einen guten Punkt angesprochen. Dein Vertrag in Hoffenheim läuft im Sommer aus. Wie sehen denn deine Zukunftspläne aus?
Ihr wisst ja selber wie es im Fussball ist. Momentan kann ich leider nicht vorausplanen, obwohl ich es, vor allem wegen der Familie, gerne würde.
Eventuell ziehe ich erstmal mit nach Mönchengladbach. Es kann aber auch passieren, dass ich pendeln muss oder ganz woanders hinziehe. Das bringt der Beruf halt mit sich. Ich lasse mich selber mal überraschen.

Würdest du denn lieber ins Ausland oder in Deutschland bleiben?
Das kann ich so direkt gar nicht sagen. Im Ausland war ich bereits einmal, was auch mit Sicherheit immer eine tolle Erfahrung ist, aber am Ende muss einfach das Gesamtpaket passen. Zum Glück bin ich in der Lage nicht mehr alles machen zu müssen, sonst wäre da schon etwas passiert. Im Winter kamen auch keine guten Angebote, es ging dort nur um Geldmacherei von irgendwelchen Beratern.

In den letzten paar Jahren sind viele Spieler, gerade zum Ende der Karriere hin, nach China gewechselt um noch ein wenig Geld mitzunehmen. Mike Hanke ist da ein gutes Beispiel. Könntest du dir das vorstellen?
Komplett würde ich es nicht ausschließen. Aber es nicht so als wenn ich jetzt „Juhu“ schreie, wenn ein Angebot aus China kommt. Über Fussball brauchen wir uns da nicht zu unterhalten, da geht es nur um das Finanzielle und wenn mit einem Einjahresvertrag deine ganze Familie, vielleicht sogar noch deine Urenkel versorgt werden können, ist es eventuell eine Überlegung wert – rein fussballerisch nicht.

Kommen wir mal auf die Borussia zu sprechen. Du hast 13 Jahre bei der Fohlenelf gespielt. An was erinnerst du dich besonders gerne in dieser Zeit zurück?
Eigentlich an alles. Wer als Kind hier groß wird, in Borussias Jugend spielt und es am Ende zu den Profis schafft kann es eigentlich nur mit positiven Aspekten verbinden. Es war damals ein sehr großer Traum, der dann zu einem Ziel geworden ist und als kleiner Junge habe ich davon geträumt. Dieses Ziel habe ich erreicht und wenn du in der Heimat das erreichst, was du erreichen willst, ist es das größte was es im Leben eines Fußballers gibt.
Sportlich lief es damals leider nicht immer gut, da gab es mit Sicherheit bessere Zeiten in Mönchengladbach, aber die Zeiten haben mich auch geprägt.

Hast du denn noch zu ehemaligen Teamkollegen aus Mönchengladbach Kontakt?
Zu Ndjeng habe ich zufällig noch Kontakt. Andere sehe ich immer wieder, wenn wir gegeneinander spielen. Zu einem Jugendtrainer von mir habe ich noch guten Kontakt, weil wir relativ nah aneinander wohnen und zu den Verantwortlichen natürlich ab und zu.

In den letzten Tagen haben viele gemerkt wie sehr du noch mit der Borussia verbunden bist. In den sozialen Netzwerken zeigst du es immer wieder in aller Öffentlichkeit. Was denken denn deine aktuellen Mitspieler, bzw. der Verein Hoffenheim darüber?
Ich bin da relativ offen und jeder Verantwortliche in Hoffenheim weiß, dass ich Gladbacher bin und es auch immer bleiben werde. Es ist etwas besonderes und so etwas sollte nicht verheimlicht werden. Jeder hat seinen Verein wo er groß geworden ist.

Du hast eben bereits angesprochen, dass du noch Kontakt zu einem ehemaligen Jugendtrainer aus Mönchengladbach hast. Kannst du dir in Zukunft vorstellen selber als Jugendtrainer oder auf eine andere Art und Weise im Verein tätig zu werden?
Die Frage was nach der Karriere habe ich mir selber bereits häufiger gestellt. Allerdings weiß ich jetzt noch nicht was passiert. Gerade als Fussballer ist es schwer zu planen, denn am Ende kommt es doch ganz anders als geplant. Viele, gerade auch Julian Nagelsmann, sagen zu mir ich soll später im Jugendbereich tätig werden. Jetzt möchte ich noch 2-3 Jahre Fussball spielen und dann vielleicht noch etwas neues starten.

Dann wird dein Weg garantiert auch in die Weisweiler Elf führen?
(lacht) Ja klar, der Platz dort ist schon gesichert. Ich habe noch zu ein paar Spielern dort Kontakt (z.B. Kastenmeier) und es wurde mir schon des öfteren Angeboten.

Wie es der Zufall so will hast du am Samstag Geburtstag und ihr spielt mit Hoffenheim im Borussia-Park. Was wünscht du dir denn zum Geburtstag? Einen Sieg der Borussia?
Nein, leider nicht. Es ist echt verrückt, solche Geschichten schreibt auch nur der Fussball. Selber bin ich eigentlich wunschlos glücklich, aber wenn ich mir etwas wünsche, dann ist es Gesundheit. Bei anderen ehemaligen Fussballern sehe ich wie wichtig Gesundheit ist. Ich bin jetzt Anfang 30, da muss ich noch mehr auf darauf achten. Samstag wünsche ich mir ein gutes Spiel, drei Punkte für uns und dass Borussia und Hoffenheim in der kommenden Saison International spielen.

Es wird mit Sicherheit schwer für die Fohlenelf auf die internationalen Plätze zu kommen. Wie bewertest du denn die aktuelle Situation, gerade mit den vielen Verletzten?
Das ist von hier aus schwer zu beurteilen. Da bekommt ihr selber bestimmt mehr mit, es ist natürlich unglücklich. Mit so vielen Verletzten kommen automatisch ein paar Probleme. Jedoch gerade in solchen Situation sollten Spieler, die eigentlich weniger zum Zug kommen, nicht unterschätzt werden. Am Samstag werdet ihr eine schlagfertige Mannschaft auf den Platz bekommen.

Zum Abschluss noch eine letzte Frage. Was ist der größte Unterschied zwischen Hoffenheim und der Borussia?
Die Tradition, ganz klar! Als Spieler bekommen wir so etwas natürlich mit. Hoffenheim kann in der Fankultur nicht so weit sein und wird vielleicht auch nie soweit kommen wird. Bei Borussia läuft es ja über viele viele Jahre. So etwas macht natürlich etwas aus.

Jetzt darfst du gerne noch etwas an die Fans richten.
Ich schaue Borussia immer wieder gerne. Die Fans von Borussia sind Vorzeigekräftig. Egal ob Auswärts oder zu Hause, da kann man den Hut ziehen. Schon damals, als ich selber am Bökelberg in der Nordkurve gestanden habe, habe ich es so empfunden und ich war begeistert, was bis heute angehalten hat. Meinen Kindern werde ich es auch mal in der Nordkurve zeigen.

Dann wünschen wir die alles Gute und wir sehen uns am Samstag im Borussia-Park!

Übrigens: Polanski hatte eine Dauerkarte in Block 15! Das Interview kann sehr gerne geteilt werden.